Ausserplanmässig

24. Juli 2022 0 Von Sabine

Normalerweise ist es in den Ferien ja meistens noch lustig, wenn nicht alles nach Plan läuft. Aber heute war’s dann doch ein bisschen zu viel. Dabei hatten wir eine richtig organisierte Tour an den Komani-Stausee gebucht – ein Werk von Hoxha zusammen mit den Chinesen. Noch heute wird der grösste Teil des Landes mit Strom von diesem Stausee versorgt.

Wir sind um 5:30 aufgestanden, weil wir um 6 abgeholt wurden. Der erste Ausserplan war, dass Hans-π schon nach einer Viertelstunde Busfahrt nach einem Itinerol fragte. Und zehn Minuten später nochmals. Doch es nützte alles nichts. Der Arme musste die zweistündige Busfahrt, die über schrecklich schlaglöcherige Strassen ging, mit Plastiksack vor dem Mund überstehen. Um 8 waren wir am Fähranleger. Ein Gewusel. Kein Mensch wusste, wo wir hin mussten, keiner sprach Englisch.

Am Fähranleger
Grotte neben dem Fährhafen

Irgendwann erreichte ich den Tourorganisator. Wir sollten uns entspannen und einen Kaffee trinken, er käme dann schon irgendwann. Hans-π hatte alles andere im Sinn als Kaffee (Alarmstufe rot). Um 9 tauchte dann der Organisator Mario tatsächlich auf- und musste zuerst ein Boot für uns suchen und als er das gefunden hatte, musste er einen Bootsführer suchen. Um 10.15 (dafür sind wir um 5:30 aufgestanden 🤪) war dann alles gefunden. Der Bootsführer liess seine Flamme ans Steuer (die er offensichtlich beeindrucken wollte) und mit uns auf dem Boot grölten 5 Albaner – Kettenraucher und Kettenbiertrinker… Es konnte nur noch besser werden…

Die Fahrt an sich war sehr schön- eigentlich
Hans-π… etwas konzentriert und leidend

Unterwegs setzte sich der Bootsführer inklusive seiner Flamme ab und ein neuer Fahrer übernahm. Er hatte nicht viel Ahnung, was wir gebucht hatten und englisch sprach er auch nicht. Nach einer zweistündigen Fahrt durch das wirklich schöne Naturschutzgebiet kamen wir an einen Flusslauf, wo wir für drei Stunden blieben. Uns traf fast der Schlag: Ballermann mitten im Schutzgebiet. Laute Musik, Klettergarten, Zipline, Pferdeverleih… Bier, Bier, Bier und Abfall, Abfall, Abfall. Die Flaschen und Dosen lagen und schwammen überall. Wir quetschten uns an einen schmalen Schattenplatz und hofften, dass die Zeit vorbei geht.

Um drei kam dann tatsächlich der Bootsfahrer, der eigentlich gedacht hatte, wir würden dort am Ballermann übernachten ( Gott bewahre) und fuhr uns zurück. Wieder am Fährhafen mussten wir wieder warten, bis der Tourorganisator merkte, dass nun doch kein Platz mehr war im Minibus und er uns ein Taxi bestellen musste, das in etwa einer Stunde kommen sollte. Er hat sich dann aber noch zu uns gesetzt, uns einen Drink spendiert (Hans-π blieb beim Wasser) und wir hatten ein interessantes Gespräch. Er meinte, das hier wachse ihnen völlig über den Kopf. Der Tourismus boomt und alle wollen was vom Kuchen, aber es gibt weder Infrastruktur noch Beschränkungen. Wir sind gespannt, wie das hier weitergeht.

Ende gut – alles gut. Unser Privattaxi war dann sehr angenehm, Hans-π ging es auch langsam wieder besser und im Hotel haben wir gemütlich Krankenpicknick veranstaltet und Netflix geguckt.

Znacht im Bett auf dem Duschtüechli. Mal was Neues